Arnis - Eskrima Training
Bericht zur Stockkampf- (Arnis/Eskrima) Gruppe der Deutschen Balintawak Group e.V. - Abteilung Homberg:
Balintawak ist der Name des Stockkampfstils, den wir trainieren. Es gibt auf den Philippinen, und mittlerweile überall auf der Welt verteilt, mehr als Hundert verschiedene Stilarten dieser Art der Selbstverteidigung. Die größten und bekanntesten sind z.B. Doce Pares, Modern Arnis, Pekiti Tirsia oder das Inosanto-Kali. „Kali“ ist der Oberbegriff für die philippinschen Kampfkünste, der alle Formen der phil. Kampftechniken abdeckt. Der Begriff „Kali“ ist mit dem japanischen „Budo“ oder dem chinesischen „Kung Fu“ oder „Wu Shu“ zu vergleichen. In der Regel sind die Stile Familien Systeme, die nur einen Teil der uns geläufigen Selbstverteidigung abdeckt. Bruce Lee war es, der verschiedene Arten der Selbstverteidigung und verschiedene Systeme verbunden hat, und für den einzelnen Schüler sinnvolle Techniken mit einander verknüpft. Dabei sollte das persönliche Ziel, also Selbstverteidigung, Wettkampf oder die Kunst der Kampfsportarten im Vordergrund stehen. Ebenso die körperlichen Fähigkeiten müssen beachtet werden. Er hatte somit ein „Tabu“ gebrochen; nämlich bei nur einem Lehrmeister zu trainieren. Trainierte ein Schüler noch bei einem anderen Meister, galt das als Vertrauensbruch.
Wir in der Homberger Stockkampfgruppe sind jetzt zu zehnt. Seit etwa einem Jahr hat unser Verein diese neue Sparte. Der Großteil unserer Mitglieder trainiert nach wie vor Karate. Auch das Kindertraining ist sehr gut besucht. Die Trainingszeit für Stockkampf haben wir auf zwei Termine ausgeweitet. Montags von 20.00 – 21.00 Uhr und Mittwochs von 19.00 – 21.30 Uhr, in der Halle der THS Schulsporthalle in Homberg.
Das Training gestaltet sich in der Regel so, dass nach kurzen Lockerungsübungen der Kreislauf durch Techniken aus anderen Bereichen des Kampfsportes in Schwung gebracht wird. Dies ist mir persönlich wichtig, so möchte ich Verständnis über unseren Tellerrand hinaus vermitteln und das Aufwärmtraining abwechslungsreich gestalten. Der Körper und die Muskulatur werden vielseitig gefordert. Bisher haben wir Elemente aus dem Boxen, Thai Boxen und Jiu Jitsu, Judo (Bodenkampf) trainiert. Natürlich kann dies nur ein Einblick in die verschieden Bereiche sein, also wenige Techniken und Trainingsformen, sowie die theoretischen Ideen die hinter diesen Systemen stecken. Als nächstes werden wir uns mit Stickboxing beschäftigen. Dies ist eine Wettkampfidee von Edgar Sulitie.
Dann folgt das eigentliche Stockkampftraining. Es besteht zum großen Teil aus dem schon erwähnten philippinischen Balintawak System. Insgesamt lege ich viel Wert auf Technik-Training. Belastungseinheiten zur Förderung der Kondition habe ich zunächst nicht vorgesehen. Wir trainieren nicht so sehr nach dem Gedanken einer Selbstverteidigungssituation, wo man um seine Gesundheit kämpft, oder sich in einem Turnier stellt. Klar ist, das solche Anwendungen nur Techniken zulässt, die stresssicher sind. Diese Sicherheit wird in der Regel über körperlichen Stress erreicht. Körperliche Fitness ist die Grundlage dafür. Aber wir befinden uns im Breitensportbereich und in der Grundschule. Wir geben gern Tipps, wie man ein Konditions- und Krafttraining für Kampfsport aufbaut. Dies kann dann als „Hausaufgabe“ verrichtet werden. Es wäre vermessen, bei zweimal Training in der Woche alles erreichen zu wollen. Wenn jemand seine Technik sicher beherrscht, wird er auch in der Lage sein, sich zu verteidigen. Allerdings ohne Akrobatik. Ein Auge für gefährliche Situationen verlangt kein hartes Training und man kann sich, taktisch geschickt, verkrümeln. Später, wenn die Techniken im freien Sparring (Kampftraining) eingesetzt werden, entsteht dieser Stress noch früh genug. Ebenso der Wunsch nach Flucht. Der Körper ist allerdings langsam auf die Belastung hin trainiert worden, also gesundheitsfördernd. Ich persönlich bin kein Freund von eiem zu frühen Sparring (Übungskämpfe). Er sollte erst beginnen, wenn genug Technik vorhanden ist. Genauer gesagt mehr als genug. Im Kampf beschränken sich die eigenen Techniken auf ein Mindestmass. Aber je mehr Techniken man kennt und erkennt, desto effektiver kann man antworten. Unbekannte Techniken sind schwer zu kontern. So hat man zum Beispiel seine Lieblingshebel, die man immer wieder findet und einsetzt. Setzt der Gegner Hebel an, die mir bekannt sind, werde ich entkommen. Setzt er mir unbekannte Hebel ein, oder unbekannte Eingänge, finde ich mich in einer misslichen Lage wieder. Des Weiteren trainieren wir den Umgang mit Waffen. Unkontrolliertheit, in Form von falschen Distanzgefühl und ähnlichen, können erhebliche Folgen haben. Aber auch menschliche Gefühle wie Rache (du hast mir weh getan, jetzt zeig ich dir mal was…) oder Ehrgeiz sind fehl am Platz. Bei einem guten Sparring wird so etwas nicht vorkommen. Man hat also auch eine geistige Reife (Bahala Na, was bedeutet: Alles Egal! Oder Bushido, der Weg des Kriegers) erreicht.
In unseren Lernstufen haben Peter M. und Thomas W. die vierte Lernstufe erfolgreich abgeschlossen. Allerdings werden die beiden noch mit zusätzlichen Informationen versorgt, denn sie sind Trainer und müssen immer etwas mehr können und wissen!
Lisa B., Svenja M., Torsten K. und Christian S. haben die dritte Lernstufe erreicht. Kati A. hat die erste Prüfung bestanden. Der Kai A. und die Katha S. schlagen sich noch mit den Techniken der ersten Lernstufe herum.
Die Lernstufen haben wir nun auch in den öffentlichen Bereich eingestellt. Sie sind der rote Faden im Training. Vergleichbar mit den Verschieden farbigen Gurten in anderen Kampfsportbereichen.
Die Prüfungen bestehen im Prinzip aus zwei Teilen: Die Vorprüfung, bei der alle Techniken wie sie gefordert sind durchgegangen werden. Dies wird auf Video aufgezeichnet und direkt besprochen. So können kleinere Fehler ausgemerzt und Klarheiten beseitigt werden. Die eigentliche Prüfung ist dann etwas später, etwa nach einer oder zwei Wochen. Neben dem eigentlichen Programm sollte der Schüler auch etwas improvisieren können. Also die Techniken einmal anders anwenden. Es werden auch Elemente aus den vorherigen Lernstufen beispielhaft abgerufen, vielleicht in der Form, dass man sich als Partner bei einer anderen Prüfung zu Verfügung stellen muss. Auch die eigentliche Prüfung wird aufgezeichnet. Jeder bekommt diese im Anschluss ausgehändigt. So hat man ein kleines Andenken, eine Erinnerungsstütze oder einfach was zum kaputt Lachen (...Pleiten, Pech und Pannen...).
Besonders erwähnen möchte ich hier noch, dass Thomas und Peter über drei Monate das Training allein schmeißen mussten, da ich dienstlich auf einem Lehrgang war. Das haben die beiden super hinbekommen! Dafür möchte ich mich bedanken!
Also ich hoffe, wir haben weiter viel Spaß beim Training! Alles Gute für das neue Jahr, und werdet endlich bessere Menschen… vielleicht nach meinem Vorbild
Euer Hanni
(Michael Hanstein, Trainer)